Ruhpoldinger Kinder- und Jugendtheater

Ruhpolding

Junges RUKI-Ensemble suchte in München Spuren der „Weißen Rose“

Auf Einladung der Weiße-Rose-Stiftung besuchte das junge Ensemble des RUKI am schulfreien Aschermittwoch die Münchner Gedenkorte, die an den Widerstand der Studenten um Christl Probst und die Geschwister Scholl erinnern. Die Zugfahrt hatten Monika Kloiber und Wigbert Dehler gleich zu einer Flashmob-Theaterprobe der „Vier Tage im Februar“ umfunktioniert. Für die mitreisenden Fahrgäste gab es eine überraschende Gratisvorstellung, eine Reise „Theater inklusive“.

Der Ausstieg am Ostbahnhof endete ganz im Sinne nach Weiß Ferdl's Hymne "Aba Leid, losts doch d'Leid naus" im Desaster, als zwei der RUKI's in der Tram den falschen Ausstieg wählten. Am Odeonsplatz ist die erste Station: Die Nationalsozialisten machten die Feldherrnhalle als Ort des niedergeschlagenen Hitlerputsches vom 9. November 1923 zu einer Kultstätte und instrumentalisierten sie für Propagandazwecke. Eine Ehrenwache der SS war ständig präsent. Nur mit dem „Deutschen Gruß“ durfte vorbeigegangen werden. Um dem Ritual zu entgehen, nutzten viele Münchner die Viscardigasse hinter der Feldherrnhalle als Passage. Dies brachte der Gasse den Beinamen „Drückebergergasserl" ein.

Dann geht es mit schnellen Schritten zur Universität, wo die Gruppe schon von Frau Dr. Gouverneur erwartet wird. Die Historikerin führt die jungen Schauspieler durch die Dauerausstellung der Stiftung Weiße Rose, sie ist erstaunt über das Interesse und das Detailwissen der Schüler im Alter von 9 bis 15 Jahren. „Wir haben uns schließlich seit Monaten mit der Weißen Rose beschäftigt,“ sagt ausgerechnet der Jüngste, „es geht um Freiheit, Zivilcourage und Menschlichkeit.“

„Ich möchte nachfühlen können, was die Studenten hier gespürt und erlitten haben“, klingt es aus der Gruppe. Die anderen sind mehr an Fakten interessiert, die ihrer Meinung nach im Schulunterricht zu kurz kommen. Die Frage nach der Schuld und dem Handlungsspielraum des Einzelnen beschäftigt alle. Wie hätte ich mich verhalten? Wo muss ich mich heute einsetzen anstatt wegzuschauen?

Viele Fragen, auch zu den zeitgleich ablaufenden Geschehnissen zuhause, in Ruhpolding, stellen die Reisenden bei ihrem Besuch in München. Gelangten die Flugblätter der Weißen Rose auch nach Ruhpolding? Die jungen Schauspieler waren bestens vorbereitet und konnten der Historikerin sogar die eine oder andere neue Informationen weitergeben. Oder ganze Absätze aus den Flugblättern wörtlich zitieren. „Das ist das Wertvolle am Theaterspiel: Man darf sich und muss sich in die Rolle anderer Menschen versetzen. Auf diese Weise wird jede noch so weit zurückliegende Geschichte lebendig“ erklärte Wigbert Dehler. „Wir haben unsere Theaterkinder vieles einfach ausprobieren lassen. Es ist wichtig, dass sie selbst über die Themen nachdenken und ihr eigenes Ergebnis präsentieren“, ergänzt Monika Kloiber. Das ist den jungen Schauspielern - so auch die Meinung vieler Zuschauer - bestens gelungen. „Ihr habt wirklich eine hochmotivierte, tolle Gruppe,“ meint auch Frau Dr. Gouverneur.

Zum Abschluss gibt es noch einen Abstecher in den Justizpalalst. Im (fast vollständig erhaltenen) Sitzungssaal 216 fällte der Volksgerichtshof das Todesurteil. Neben den Lichtbildern der insgesamt 17 Angeklagten aus beiden Prozessen und den Kopien einiger Originaldokumente vermittelt insbesondere die Authentizität des Ortes einen bleibenden Eindruck von der Justizwillkür des Dritten Reiches.

Reich an neuem Wissen und neuen Erkenntnissen fuhren die RUKI's nach einer kleinen kulinarischen Pause und dem Erlebnis eines wilden Schneetreibens in der Landeshauptstadt zurück in ihre Heimat.

Artikel veröffentlicht am 26.03.2020 von Ruhpoldinger Gemeindeanzeiger 12 / 2020