Walter Heinich (1876 - 1940)
Soldaten der Grande Armee Napoleons – verschiedene Verbände.

Interessengemeinschaft Ortsgeschichte

Neusalza-Spremberg

IG Ortsgeschichte

Ein Beitrag von Ortschronist Walter Heinich (†) zum Jahr 1813.

Es ist die Zeit zum Ende der Napoleonischen Kriege (Frühjahr 1813 - die Schlacht bei Bautzen; Oktober - 1813 Völkerschlacht bei Leipzig) und den Folgen für Neusalza, veröffentlicht in: „Unsere Heimat“

Nr. 19 und 20 in den 1920er Jahren.

(hier wiedergegeben in 3 Teilen)

(Teil I von III)

Die Kriegsschulden von 1813 und ihre Tilgung.

Durch die Kriegshandlungen (Durchmärsche, Einquartierungen und Lieferungen an die Truppen) war im Jahre 1813 unserer Stadt eine schwere Schuldenlast entstanden, die erst nach beinahe 40 Jahren abgestoßen werden konnte und der Stadt viele Opfer gekostet hat.

Ueber die Kriegswirren im genannten Jahre berichtet der spätere Bürgermeister Tuchatsch in seinem 1870 erschienenen Schriftchen „Geschichtliche Nachrichten über die Stadt Neu-Saltza auf Grund historischer Urkunden und Ueberlieferungen“. Dort heißt es auf Seite 85:

„Im großen Befreiungskriege 1813 gab es zu verschiedenen Zeiten Durchmärsche, Einquartierungen und Lager in und um Neusalza, und während des Waffenstillstandes, nach der Schlacht bei Bautzen, soll es nach mündlichen Ueberlieferungen mehrere Monate abwechselnd polnische Kavallerie im Quartier gehabt haben, welche zerstreut in der Gegend herumgelegen, in Gersdorf den Exerzierplatz hatten und sich ihrer Viele davon nach Böhmen desertiert.

Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 - Napoleon auf der Flucht. An der Schlacht waren 180000 Franzosen und knapp 500000 Alliierte beteiligt. Bilanz: 100000 Tote und schwer verwundete. Die Orte in Sachsen mussten zu verschiedenen Zeiten Einquartierungen und Truppendurchzüge hinnehmen. (Bild und Textteil nach einem Beitrag aus: P. M. HISTORY 2/2000)

Einmal haben sich zirka 6000 Mann Franzosen am Lindenberge gelagert, welche sehr freundlich mit der Einwohnerschaft von Neusalza verkehrt haben; schlimmer schon machten es 22000 Mann polnische Truppen, welche unter Fürst Ponialowsky, der sein Quartier in Donaths, jetzt Pietschmanns Hause (dieses gehört heute Herrn Bürgermeister as D. Körner, d.V.) auf der Schießgasse genommen hatte – von dort nach dem Spremberger Hofe hin lagerten.

Auch 60000 Russen unter Langeron, welche von Neusalza nach Fugau herab lagerten und in der Stadt Gassen und Plätze füllten, quälten die armen Einwohner gar sehr; am allerschlimmsten aber machte es eine kleine Abteilung von ca. 120 Mann ungarischer Husaren, welche hinter dem Schießhause Posto gefaßt hatten und die Stadt förmlich ausplünderten, das gestohlene Gut aber sofort an allerhand Gesindel aus Böhmen verkauften, welches in ihrem Gefolge war, doch bald von den Russen verjagt wurde. Einmal hat eine Abteilung ungarischer Husaren einen Trupp Kosaken des Nachts durch Neusalza verfolgt, und obwohl man heftig auf einander geschossen, ist kein Unglück passiert.

Nach Beendigung dieses Krieges hat Neusalza über 6000 Taler Kriegsschulden zu bezahlen gehabt, welche von einem dazu gewählten Ausschusse auf die einzelnen Grundstücke nach Verhältnis und Recht verteilt wurden und wovon die letzten Beiträge erst in den 1850er Jahren völlig bezahlt worden sind.“

Mit der Entstehung und Tilgung dieser Schulden wollen wir uns beschäftigen.

Am 21. Mai 1813 war die Schlacht bei Bautzen gewesen. Beide Teile erschöpft, erwarteten Verstärkungen und schlossen Waffenstillstand vom 4. Juni bis 26. Juli. In der südlichen Oberlausitz wurde polnische Kavallerie einquartiert. Die Stadt nahm am 27. Juni 450 Taler und am 24. Juli 50 Taler auf. Vermutlich ist dieses Geld zur Bezahlung der Einquartierungskosten verbraucht worden. Wahrscheinlich hat die Stadt die Fourage für die Pferde der Reiterei auswärts kaufen müssen, da hier nicht genug Pferdefutter vorhanden war. So erhielt Andreas Hohlfeld in Obergurig eine Schuldverschreibung über 100 Taler für geliefertes Heu. Daß ein Fremder Händler ohne Barzahlung Heu geliefert hat, deutet wohl darauf, daß die Barmittel der Gemeinde damals schon erschöpft waren. Nachdem am 10. August die Feindseligkeiten wieder begonnen hatten, zogen bald größere Truppenmassen durch die südliche Lausitz.‘

Ausgewählt von Horst Wagner und Günter Hensel (IGO)

Artikel veröffentlicht am 04.05.2021 von Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft für die Stadt Neusalza-Spremberg 5 / 2021