Barlachs wohl bekanntestes Werk: „Der Schwebende“ im Güstrower Dom.
Das Grabmal „Mutter Erde“ wurde 1920 von Ernst Barlach in seiner Güstrower Werkstatt gefertigt. Es steht heute auf dem Gertrudenfriedhof.
Zahlreiche Veranstaltungen finden 2020 im Ernst-Barlach-Atelierhaus am Inselsee statt.
Historische Aufnahme von Ernst Barlach in Güstrow.

Güstrow feiert 150 Jahre Ernst Barlach

Güstrow

Mit zahlreichen kulturellen und kreativen Angeboten ehrt die Barlachstadt 2020 ihren berühmtesten Bürger

Güstrow (pm). Ein Künstler in 360 Grad: Am 2. Januar 2020 wäre der bekannte Bildhauer, Grafiker und Dramatiker Ernst Barlach 150 Jahre alt geworden. Anlässlich des Jubiläums feiert die Barlachstadt Güstrow ein Jahr lang mit vielfältigen Veranstaltungen und Ausstellungen den norddeutschen Expressionisten, der sich 1910 hier niederließ und den größten Teil seiner vielseitigen Werke schuf. „Güstrow ist untrennbar mit Ernst Barlach verbunden. Er hat die Stadt über die Grenzen des Landes hinaus bekannt gemacht und ihr eine Identität gegeben“, sagte Anett Zimmermann, Geschäftsführerin des Güstrow Tourismus e. V.

Den Auftakt bildet am 29. Februar 2020 die Eröffnung einer Sonderausstellung im Atelierhaus in den Ernst Barlach Museen zum Thema „Ernst Barlach als Briefeschreiber“. In seinen Briefen, von denen der Künstler nach eigener Aussage „schauerlich viel“ auf den Weg gebracht hat, tritt Barlach als eine Persönlichkeit mit vielen Facetten auf: mal bitterernst, sarkastisch oder liebevoll, mal ausschweifend oder knapp. Die Schau rückt erstmalig überhaupt die umfangreiche Korrespondenz des Bildhauers in den Mittelpunkt und lässt ihn unter anderem als scharfsinnigen Beobachter deutscher Zeitgeschichte erfahrbar werden. Die Präsentation der originalen Autographen endet am 1. Juni 2020.

In der Gertrudenkapelle, in dessen Ausstellungsraum rund 30 Werke des Künstlers aus der Güstrower Schaffenszeit gezeigt werden, beginnt am 10. Mai 2020 eine Konzertreihe zum Ernst-Barlach-Jubiläum. Besucher erwartet ein bunter Reigen schwungvoller Frühlingslieder, arrangiert und präsentiert von der Kreismusikschule des Landkreises Rostock. Weitere Gastspiele finden am 05. Juli 2020 (Flöten- und Theorbenkonzert „Alte Musik“) sowie am 06. September 2020 mit einem Auftritt des renommierten Bajanspielers Roman Yusipey statt. Beginn ist jeweils um 18 Uhr.

Vom 6. Juni bis zum 30. August 2020 erhalten Kunst- und Barlach-Interessierte einen spannenden Einblick „hinter die Kulissen“ des prominenten Künstlers. Die Ausstellung „Barlach im Alltag - Alltag bei Barlach“ im Atelierhaus der Ernst Barlach Museen geht der Frage nach, wie das alltägliche Leben seinen künstlerischen Schaffensprozess beeinflusste und welche Rolle Barlachs Kunst in der heutigen Gegenwart spielt. Die Ausstellung zeigt unter anderem Barlach-Schätze aus privaten Haushalten. Gleichzeitig thematisiert sie den ikonischen Charakter vieler seiner Objekte, die Teil des kollektiven Bildgedächtnisses geworden sind.

Am 15. und 16. August feiern die Ernst Barlach Museen ein buntes Jubiläumswochenende mit Live-Musik, Kreativ-Workshops, Erlebnisparcours, thematischen Führungen und vielem mehr. Dazu wird sich das Areal rund um das ehemalige Wohn- und Atelierhaus am Inselsee in eine große Festwiese verwandeln und zum Anziehungspunkt für kleine und große Barlach-Fans werden.

Über die vielen und einige ganz besondere Reisen von Ernst Barlach gibt die Ausstellung „Kokoschka und Barlach. Künstler auf Reisen“ im Ausstellungsforum der Ernst Barlach Museen Aufschluss. Zwischen dem 05. September und 29. November 2020 wird unter anderem eine Reise nach Russland näher beleuchtet, die ihm 1906 völlig neue Perspektiven eröffnete und seinen künstlerischen Ausdruck finden ließ. Daneben können Skizzenbücher, Zeichnungen, Lithografien und plastische Arbeiten von dem österreichischen Maler Oskar Kokoschka bestaunt werden, der sich ebenfalls für das Fremde interessierte und in seiner Kunst, wie Barlach, die Reduktion auf das Wesentliche liebte.

Neben Sonderausstellungen und Konzerten laden rund um das Jahr zahlreiche Workshops sowie die Dauerausstellungen im Atelierhaus und in der Gertrudenkapelle der Barlach Museen Güstrow zum Besuch ein. Hunderte Plastiken, Handzeichnungen, druckgraphische Werke, Skizzenbücher und persönliche Dokumente erlauben einen umfassenden Einblick in das Schaffen des bedeutenden Expressionisten. Die Ernst Barlach Museen haben im Winter dienstags bis sonntags von 11 - 16 Uhr und von April bis Oktober 10 - 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6 Euro (ermäßigt 4 Euro). Weitere Informationen und Veranstaltungen: www.barlach-museen.de

Artikel veröffentlicht am 14.02.2020 von Güstrower Landkurier 1 / 2020