Einstige Zeitzeugin Christel Sommer gestorben

Waren

Malchow (er). Eine der wenigen Zeitzeugin, Christel Sommer, geboren am 24.12.1924 in Waren, ist am 23. April 2020 gestorben. Sie wurde im April 1943 nach einem einjährigen Pflichtjahr als deutsche Zwangsarbeiterin verpflichtet, da sie wegen der erkrankten Mutter nicht als Flakhelferin zur Wehrmacht eingezogen werden konnte.

Im ehemaligen Betrieb der Dynamit-Nobel-Aktien Gesellschaft (DAG), der auf dem Areal in Malchow von 1938 bis 1943 auf einer Fläche von 340 Hektar aufgebaut wurde, war sie bis zu ihrer Schwangerschaft dort im unterirdischen und getarnten Bunker 483 mit ausländischen Mädchen beschäftigt. Ihr war es gestattet worden, nach der täglichen Arbeit zu ihrer Familie zu fahren. Sie fertigten Sprengstoffkapseln an. Der Arbeitsraum war fensterlos und nur mit künstlichem Licht erleuchtet, was zur Folge hatte, dass ihr Augenlicht stark geschädigt wurde und sie zeitlebens Sehprobleme hatte, die fast bis zur Blindheit führten.

Als Christel Gartz geboren, heiratete sie im März 1946 ihren Mann, Josef Sommer. Sie lebten in den Dörfern Loppin und Damerow und in der Stadt Malchow. Zuletzt lebte sie im KMG Seniorenheim Am Park in Alt Schwerin. Aus der Ehe stammen ein Sohn und zwei Töchter, die noch leben. Sie war die ersten Jahre Hausfrau, wurde Horterzieherin und arbeitete zu letzt in einem Kunstgewerbeladen. Ihr Mann war als Lehrer tätig und verstarb am 12. April 2005.

Christel Sommer zog in das Betreute Wohnen und wurde am 27. Juni 2006 Mitglied im Bund der Ruheständler, Rentner und Hinterbliebenen (BRH), schied nach fünf Jahren aus gesundheitlichen Gründen wieder aus.

Sie engagierte sich in einem achtjährigen Schülerprojekt der Jahrgangsstufe G 11 der Fleesensee-Schule im Jahre 2015 über die KZ-Zwangsarbeit im KZ-Außenlager Malchow. Sie und die Ende Oktober 2010 verstorbene 91-jährige Hildegard Silber, die ebenfalls Zwangsverpflichtete im Dynamitbetrieb arbeitete, standen den Projektleiterinnen Angelika von Malottke und Ulrike Jäger sowie den Schülern als Zeitzeugengesprächspartnerinnen zur Verfügung.

Der damalige Seniorenortsverband BRH organisierte eine Veranstaltung am 9. November 2010, in der die mit Unterstützung der Pastorenfamilie Schur (Jabel) und in der Medienwerkstatt entstandene DVD zum Schülerprojekt gezeigt wurde.

Mit einem Blumenstrauß bedankte ich mich als Vorsitzender im Namen der Teilnehmer bei der Lehrerin Angelika Malottke und der damals 86-jährigen Seniorin Christel Sommer für die gelungene Veranstaltung mit der aussagekräftigen DVD zur Geschichte des KZ-Außenlagers von Ravensbrück.

Fotos: Erich Rottenau

Artikel veröffentlicht am 23.05.2020 von Müritz Tipp Landkreis Waren 10 / 2020