Ein Fisch mit ungewöhnlichem Namen

Güstrow

Die Nase, der Fisch des Jahres 2020, lebt im Wildpark-MV

Güstrow (pm). Er ist Fisch des Jahres 2020* in Deutschland und auch im Wildpark-MV Zuhause: die Nase. „Ein ungewöhnlicher Name für einen besonderen Fisch“, so Bastian Esser, Leiter des Umweltbildungszentrums mit den WasserWelten.

Kaum einer mag diese Fischart kennen - das soll sich nun ändern, denn die jährliche Wahl zum Fisch des Jahres soll auf regional stark gefährdete Arten aufmerksam machen. „Die Nase ist in Deutschland sogar zum Teil fast vollständig verschwunden. Schuld ist, wie leider oft, der Mensch.“ Insbesondere die Verbauung von Gewässern führt dazu, dass Nasen ihre Laichplätze nicht mehr erreichen und sich damit auch schwieriger oder gar nicht mehr fortpflanzen können. Auch ein übermäßiger Eintrag von feinen Sedimenten und erhöhte Schadstoffwerte beeinflussen das Überleben der gefährdeten Nase. „Ein Umdenken ist notwendig und Renaturierungsmaßnahmen sind dringend erforderlich, damit sich der Bestand wieder erholen kann“, so der Wildpark-Mitarbeiter.

Seinen Namen verdankt dieser heimische Fisch dem unterständigen Maul sowie einer verdickten und vergrößerten Oberlippe, was aussieht, als hätte er eine Nase. „Bei uns im Wildpark leben zwölf junge Nasen - drei Tiere sind ca. 20 Zentimeter, die restlichen sind noch kleiner und um die 10 bis 12 Zentimeter groß. Der nasenartige Fortsatz ist noch nicht voll ausgebildet bzw. nur minimal vorhanden. Erst wenn die Tiere fast vollständig ausgewachsen sind, ist die namensgebende Nase gut zu sehen“, erzählt Bastian Esser. Nasen erreichen normalerweise eine Größe zwischen 25 und 40 Zentimetern. Ihr Rücken ist etwas dunkler als der restliche, silbern schimmernde Körper mit blass roten Flossen.

Die Wildpark-Besucher können die Nasen im Kurvenbecken, direkt hinter dem Quellbecken in der Nähe des Eingangs entdecken. In freier Wildbahn lässt sich die Nase normalerweise in der Barben- und Äschenregion eines Fließgewässers finden. Bastian Esser weiß: „Sie lebt aber auch weiter stromabwärts in schnell fließenden Gewässern, unter anderem in der Nebel vor unserer Haustür. Die Nase ist ein lebhafter, meist in Bodennähe vorkommender Schwarmfisch, der einen kiesigen und steinigen Untergrund bevorzugt. Hier kann er nicht nur die Nahrung, bevorzugt Algenbewuchs, abweiden, sondern auch den Laich anheften.“ Normalerweise lebt die Nase in großen Schwärmen. Lange Zeit war sie in Hülle und Fülle in den Flüssen vorhanden. „Hoffen wir, dass sich der Bestand in Zukunft durch geeignete Maßnahmen wieder erholen kann.“

*Gewählt wurde der Fisch des Jahres 2020 vom Deutschen Angelfischerverband gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz und in Abstimmung mit dem Verband Deutscher Sporttaucher.

Artikel veröffentlicht am 14.02.2020 von Güstrower Landkurier 1 / 2020