Mach mit, bleib fit. In Gessin wird gemeinschaftlich Sport getrieben.
Auch das Fernsehen hat schon über das Gessiner Fitness-Projekt berichtet.

Ein Dorf speckt ab: Gessin ist jetzt 120 Kilo leichter

Malchin

Gessin. Was haben das spanische Dorf Naron und das kleine Örtchen Gessin in der Mecklenburgischen Schweiz gemeinsam? Abgesehen davon, dass man sie beide auf der Landkarte kaum findet, nicht allzu viel. Könnte man meinen. Auf den zweiten Blick schaut das allerdings schon ganz anders aus. In Gessin wurde vor einigen Monaten eine Idee aufgegriffen, mit der das spanische Naron weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Ähnlich wie in dem kleinen Dorf in Galizien waren auch die Gessiner nicht glücklich mit dem einen oder anderen Wehwehchen, das die Einwohner plagte. Und schnell war die Ursache dafür ausgemacht. Zu wenig Bewegung, zu gutes Essen und damit auch das eine oder andere Pfund zu viel auf den Hüften von vielen Einwohnern im Dorf. Was Navaro im großen Stil vorgemacht hat, das hat Gessin im vergangenen halben Jahr nachgemacht: ein ganzes Dorf hat abgespeckt.

Nicht jeder für sich im stillen Kämmerlein, nein, gemeinsam, mit fachkundiger Unterstützung von Fitness-Trainerin, Ernährungsberatern und Ärzten. Die Gessiner haben ein Projekt daraus gemacht, das sogar mit Fördermitteln der Europäischen Union unterstützt wurde. Und sie haben zurückgezahlt: in Pfunden. Dabei stand die Gewichtsreduzierung gar nicht mal an erster Stelle. „Ursache für gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck oder Gelenkschmerzen sind in aller Regel zu wenig Bewegung. Denn wer sich bewegt, dazu noch bewusst auf seine Ernährung achtet, bei dem purzeln die Pfunde von ganz alleine. Und genau an diesem Punkt haben wir angesetzt“, erzählt die Malchiner Fitness-Trainerin Bärbel Krohn, die das Gessiner Abnehmprojekt vom ersten Tag an als Betreuerin begleitete. Jede Woche war sie einmal in dem kleinen Dorf zu Gast und absolvierte eine Trainingseinheit mit den 27 Teilnehmern. Auf dem Programm standen zudem regelmäßige Seminare zur richtigen Ernährung. Die Gessiner fanden sehr schnell Gefallen daran. Einmal die Woche Sport war ihnen schnell zu wenig. Sie organisierten sich in kleinen Gruppen und veranstalteten neben dem festgelegten Training ihre eigenen Übungseinheiten mit Nordic Walking, Schwimmen oder Rad fahren. „Und genau das war das Ziel. Wir wollten die Gessiner zur Bewegung animieren, ihnen aufzeigen, wie gut es tut an der frischen Luft unterwegs zu sein und dass sie davon gesundheitlich profitieren“, freut sich Bärbel Krohn. Erfolge ließen nicht auf sich warten. Nach einem halben Jahr haben die Gessiner jetzt Bilanz gezogen. Alle Kursteilnehmer haben zusammen insgesamt zirka 120 Kilo verloren. Bei einigen von ihnen waren es bis zu 16 Kilogramm Gewichtsverlust. Was für Bärbel Krohn aber noch viel wichtiger ist: es hat sich eine starke Gemeinschaft profiliert. Der Zusammenhalt im Ort war zwar schon immer groß, jetzt hat er aber auch eine sportliche Komponente. Sie habe im Laufe der vergangenen Wochen und Monate erlebt, wie die Teilnehmer immer mehr Spaß daran hatten sich sportlich zu betätigen, sich zu bewegen. Das Projekt läuft noch ein halbes Jahr. Und Bärbel Krohn ist sich sicher, dass die Gessiner dann auch ohne den offiziellen Projektcharakter weiterhin am Ball bleiben werden.

Th. Koch

Artikel veröffentlicht am 27.03.2020 von Malchiner Generalanzeiger 6 / 2020